Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Die umfangreiche Linksammlung rund um das Thema 'Japanische Eisenbahnen'

Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Sebastian » Sa Sep 20, 2014 11:53 am

Hallo zusammen,

ich habe das leider gerade erst durch Zufall gefudnen und mal hier eingestellt.
Der Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) fordert das Japan endlich seinen Markt für Schienenfahrzeuge öffnet. Hitachi hat einen Großauftrag für Großbritannien gewonnen und die deutschen Unternehmen möchten ihre Vorzeigeprodukte im Gegenzug auch in Japan einsetzen. Klasse, der nächste Shinkansen kommt dann auch mit zwei, drei Jahren Verspätung.
Es ist doch ehrlich gesagt ein Witz, das Siemens, Bombentrans und Co. Züge ins ferne Japan liefern wollen, wo sie es nicht mal schaffen hier in Deutschland die Züge rechtzeitig zu bauen und zuzulassen.
Beste Beispiele Velaro D (BR407), Talent 2 (BR442), BR422, die neuen Achsen des ICE3, und und und. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und einige der Züge laufen bis heute nicht störungsfrei und verursachen immer wieder Probleme im Betrieb was viel Geld kostet (Vertragsstrafen der Verkehrsverbünde wegen Verspätungen oder Zugausfälle) und das Image des Unternehmens ankratzt.
Ich glaube auf so etwas können die Japaner getrost verzichten. Wie ist eure Meinung dazu?

Hier der Artikel: http://blog.wiwo.de/train-spotting/2012 ... chheit-an/
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Class EF65 » Sa Sep 20, 2014 2:25 pm

Es könnte unter umständen ein sehr großer Fehler sein wenn man bei einem Staubsaugerhersteller Züge ordert. Da wäre eine Marktöffnung von Japan aus in die USA sicher Sinnvoller zumindest was Streckendieselloks angeht dürften die Amis Weltweit die Nase vorn haben, der Grund dafür dürfte der Gleiche sein warum es auch mit den Japanischen Lokomotiven / Zügen rund läuft, man setzt auf bewährte und robuste Technik und entwickelt sie Stück für Stück weiter.
Außerdem wäre die USA ein Historicher Partner was Locomotivlieferungen angeht. Baldwin/Westinghouse haben auch die ersten Elektroloks für Japan geliefert, Dampfloks kamen auch aus den Staaten und die Eigenproduktion zumindest ab D50 waren fast 1:1 Kopien von US Dampfern. Nur beim Diesel ist man eher auf ein Europäisches Antriebskonzept gegangen.
Man muss aber auch sehen das die Deutschen eine gewisse Qualität liefern können, siehe Taiwan. Dennoch sollte die Japaner am besten ihr Ding weiter durchziehen denn wie heist es doch so schön "never change a running System"

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Ein Schrottplatz ist ein Ort an dem sich immer etwas findet was man gebrauchen kann, diese Tatsache hab ich mir beim einrichten meines Arbeitstisches zu nutze gemacht ;)
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Tatzu » So Sep 21, 2014 11:35 am

Aus meiner Sicht sollten die Deutschen Lobbyisten mal darüber nachdenken warum sie keine Aufträge für Rollmaterial bekommen.
Durch die Globalisierung weis ja sowieso die ganze Wellt was in welchem Land grade "aufregendes" passiert.
Da es wiederholt zu schweren Zugunglücken und technischen Störungen auf deutschen Bahnen kommt (und das schon ohne den Erdbebenfaktor)
und dies nicht selten durch Allerwelts Medien flimmert, Ist es meiner Meinung nach, kein Wunder und das gute Recht, der Japaner
unser Bahnmaterial in Frage zu stellen.
Im Gegenzug finde ich es absolut anmaßend, von unseren Herstellern (mit dem Hintergründigen Wissen und anscheinender Duldung aller Vorfälle),
zu glauben in einem der Sichersten Bahnbetriebe einen Fuß setzen zu können.
Aus dieser Reaktion des VDB spricht eindeutig die Missgunst am Auftragserfolg der Japaner und die Geldgier der Geschäftsleute.

Typisch deutsch sage ich mir da.
Neid hat man umsonst. Anerkennung muss man sich hart erarbeiten.
Und da eins unserer Mottos "Geiz ist geil!" heißt und die gute alte "Wertarbeit" nur noch unter der Rubrik "deutsche Wertarbeit" vermarktet wird, die Qualität aber hinten runter fällt,
ist es kein Wunder wenn wir Neider bleiben.
Denn, getroffene Hunde bellen.
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Sebastian » So Sep 21, 2014 1:23 pm

Man muss aber dazu sagen das viele Unfälle hierzulande auf menschliche Fehlern beruhen. Siehe den Unfall in Mannheim. Die Technik hat den Zug gestoppt und der Lokführer hat die Zwangsbremsung aufgehoben und ist einfach weitergefahren. Da ist die Technik machtlos.

Technisch könnten die deutschen Hersteller bestimmt mit den Japanern mithalten, aber: die japanischen Hersteller sind auf ihren Markt spezialisiert und wissen genau welche Anforderungen an die Technik herrschen und was sie zu beachten haben.
Sollten deutsche Hersteller die Züge für Japan bauen, wo wollen sie diese testen? Das Regellichtraumprofil in Deutschland lässt Testfahrten nicht zu. Höchstens in Wegberg auf dem Siemens-Testring.
Aber selbst da ist keine japanische Zugsicherung verbaut und die Höchstgeschwindigkeit kann nicht ausgefahren werden. Also müsste als Konsequenz in Japan Niederlassungen errichtet werden und die Züge direkt dort gebaut, getestet und zugelassen werden. Wobei wiederum keiner der Hersteller Testzüge bauen wird und erst lange testen wird. Dann ginge es den Japanern wie uns, wir dürfen die Fahrzeuge im Betrieb "testen".
Die letzten Prototypen für Triebwagen waren 1994 der Talent von Talbot und ich glaube so um 1996 herum der LINT von Linke-Hofmann-Busch gebaut. Nachdem Bombardier, bzw. Alstom die Hersteller übernommen hatte, war Ende mit Prototypen. Danach zeigten sich Schwachstellen immer wieder nur im Betrieb und verursachten Störungen, Zugausfälle und Ärger.

Das kann in Japan nun wirklich keiner gebrauchen und deshalb braucht sich keiner der hiesigen Manager hier beschweren. Bekommt erst mal im eigenen Land vernünftige Züge an´s laufen und dann kann man über den Tellerrand schauen.
Außerdem: wohin der Ausschreibungswahn hier führt sieht man ja immer wieder. Von den Herstellern wird versprochen Züge in Rekordzeit zu entwickeln, bauen und zuzulassen. Hat´s schon mal geklappt? Ich glaube nicht. Und wenn man bedenkt was die Hersteller für die Fahrzeuge verlangen fragt man sich wofür?
Deswegen lasst den Japanern ihre eigenen Hersteller und Züge. Zumal die Richtlinien zur Ausschreibung von Fahrzeugen die in der EU gelten nicht in Japan gelten, aber das scheint man noch nicht begriffen zu haben.
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Tatzu » Fr Sep 26, 2014 7:58 pm

Genauso eine Schlappe hat sich SIEMENS, mit der Auslieferung der ersten "Combino" Straßenbahnen u.a. in Potsdam, geleistet.
Die haben erstens, den Fehler gemacht, Leichtbaukonstruktionen ohne Belastungstests und (ebenfalls) ohne Testmuster zu bauen.
Und zweitens den fatalen Fehler gemacht an den Gelenkpunkten einfache Horizontalgelenke statt Kugelgelenke zu verbauen.
Von den festen Fahrwerken mit riesigem Achsstand ganz zu schweigen.
Die Folgen waren, Risse in Rahmen und Gelenken, erhöhter Gleis und Radsatzverschleis durch feste Fahrwerke,...
Weswegen der Wagentyp auch als Schienenwolf in die Geschichte der Niederflurstraßenbahnen eingegangen ist.
Fast alle gebauten Wagen der ersten Serie wurden für Reparaturen ins Werk zurückgerufen.
Daher sage ich.
SIEMENS sollten weiter Waschmaschinen bauen. Die sind ganz gut. :lol:
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Tibor Szepessy » Mi Okt 08, 2014 10:05 am

Ich stell mir dazu grad vor, wie die ÖBB den Zugbetrieb in Japan verrichten würde...

*Gänsehaut*
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Matze » Sa Okt 25, 2014 6:27 pm

Hallo

Umgekehrt, wäre es eine Option, wenn deutsche EVU´s in Japan bei Hitachi und Co Fahrzeuge ordern würden, aber wenn ich mir vorstelle, das heutige deutsche Qualitätsverständnis, solle in Japan laufen, Nein, geht gar nicht. Die Japaner würden der JR und den Privaten dort, wohl die Türen einrennen, weil die Züge stehts und ständig verspätet sind, weil ständig Fahrzeugstörungen anstehen.
Also meiner Meinung nach ist das undenkbar.

VG Matthias
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Sebastian » So Okt 26, 2014 1:43 am

Rüdiger Grube hat wohl auf der vorletzten Inno Trans ganz unverbindlich mal nachgefragt ob die japanischen Hersteller Züge für die DB bauen könnten. Klar könnten sie, aber die haben keine Lust auf die Regelungen oder besser Regularienwut des EBA (Eisenbahn Bundesamt) und der EU.
Seit Jahrzehnten bauen die japanischen Hersteller zuverlässige Züge und den Stress noch während der Zug gebaut wird, sämtliche Unterlagen über den Haufen werfen zu müssen weil sich wieder irgendeine EU-Richtlinie geändert hat ( zuletzt war davon unter anderem der Flirt von Stadler betroffen) und man alles neu erstellen muss, wollen die gar nicht erst haben. Verständlich.

Allerdings müsste sich die deutsche Industrie nur wieder darauf besinnen was die Japaner erfolgreich betreiben: einen Prototypen bauen, diesen testen und die Ergebnisse dann in die Serienproduktion einfließen lassen. Davon ist man ja hier nach der Bahnreform abgerückt...
Jetzt bekommt man Fahrzeuge bei dem der Hersteller dir nicht mal sagen kann warum dir bei voller Fahrt alle Antriebe als gestört angezeigt werden obwohl sie funktionieren.
Oder Fahrzeuge die Probleme haben die man den Fahrgästen gar nicht erzählen kann/darf, da die sonst nie wieder in so eine Schleuder (sorry aber anders kann man manche Fahrzeuge nicht nennen) einsteigen.

Wobei bei uns auch die Verkehrsverbünde und die Ausschreibungen eine Rolle spielen. Ich kann als Verkehrsverbund nicht erwarten das in einem Zeitraum von 2 Jahren zwischen Vergabe und Start eines Netzes ein neues Fahrzeug entworfen, gebaut, getestet und fahrbereit ist. Klar geht das mit ach und Krach irgendwie, aber zu Lasten der Kunden, da Probleme erst im laufenden Betrieb auffallen. Beispiele dafür gibt es genug, die aber traurigerweise den Thread hier sprengen würden... :shock:

LG Sebi
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Re: Deutsche Wettbewerber fordern Marktöffnung in Japan

Beitragvon Matze » Mo Okt 27, 2014 6:04 pm

Hallo Sebi

Ganz kurz und einfach, du hast Recht!
Und die Japanischen Hersteller sind schon zu verstehen, dass sie nichts in die EU (also die Europäische Unordnung ;) ) liefern. Ich denke man hat mit Jeder Baureihe die in den letzten 5-10 Jahren zugelassen wurde, man gesehen hat, dass, dass so nichts wird, wie man es derzeit angeht, neustes Beispiel: der Twindexx, der ja z.B. ab Fahrplanwechsel in Schleswig Hollstein laufen sollen. Wie viele von den Gurken exestieren derzeit Fahrtüchtig? Null. Aber das kann man jetzt ewig weiterspinnen und man kommt doch zum selben Ergebniss, zwischen der deutschen und der japanischen Bahnindustrie liegen Welten und solange sich da in der Regierung von Komunal- bis Europapolitik nichts ändert, wird auch die deutsche Bahnindustrie auf den Weltmarkt nicht wirklich konkurenzfähig sein, zumindest nicht auf den deutschen Markt (dank der von dir angesprochenen Probleme).

Meint zumindest und grüßt euch schön:

Matthias
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